5. Jahrhundert

Die Karte zeigt Mitteleoropa um 450 n. Chr. Das Gebiet an der Ostseeküste wird dem Einflussbereich der Hunnen (braun) zugerechnet.

Nach Attilas Tod im Jahr 453 zerfiel das Reich der Hunnen aufgrund von Streitereien um die Nachfolge und vor allem durch eine vernichtende Niederlage auf den Katalaunischen Feldern.

Die Hunnen verschwanden aus Europa und gingen ab dem 6. Jahrhundert in verschiedenen anderen Völkerschaften auf (z.B. den Awaren und den Chasaren).

Das aufgrund der Abwanderung der Goten ausgedünnte Siedlungsgebiet an der Ostsee wurde ab dem Ende des 5. Jahrhunderts allmählich von slawischen Stämmen, den Wenden, den Bewohnern der großen Weide, eingenommen.

Diese These ist wegen der Zeiträume umstritten, denn:

Die Pomoranen sind westslawische Volksstämme die sich seit dem 1. Jhd. n. Chr an der Ostseeküste westlich von Danzig auszubreiten begannen. Die dortige restgermanische Bevölkerung wurde assimiliert. Ihre Siedlungsgrenzen waren um 900 n. Chr. die Flüsse Oder (Westen) Weichsel (Osten) und Netze (Süden). Später breiteten sie sich auch über die Oder auf ursprünglich liutitzisches Gebiet aus (Vorpommern).

Uni-Protokolle Pomoranen

Andere Quellen behaupten:

Slawisch sprechende Bevölkerungsgruppen werden in den Quellen nicht vor dem 6. Jahrhundert fassbar.

Eduard Mühle Die Slawen

Die osteuropäischen Einwanderer erhielten ihre Stammesnamen nach ihren Siedlungsgebieten. Beispielweise nannte man die östlich der Oder siedelnden Osteuropäer Pomoranen, d.h., die am Meer wohnen. Letztere nannten ihr Land Pomorje (Küstenland). Die weiter südlich im Inland sesshaft gewordenen Osteuropäer nannte man Polanen, die im Feld wohnen. Diese Bezeichnung ist eine Namenszusammensetzung vom spätlateinischen polani = Feldanbauer/Inlandbewohner aus po = an, am, bei und -lan (germ.) = Feld, Land. An den Namen der Bewohner sind bereits die späteren Ländernamen wie Pommern und Polen zu erkennen.

Von manchen Historikern wird das Vorkommen der Slawen als Völkerstamm angezweifelt, andererseits existiert die slawische Sprache. Das Wort Slawen, so wird behauptet, soll gotischen Ursprungs sein und Schweigende heißen, denn die noch ansässigen Goten konnten sich mit einwandernden osteuropäischen Stämmen wegen ihrer unterschiedlichen Sprachen nur schweigend verständigen.

Andererseits könnte der Name Slawe auf einer Selbstbezeichnung beruhen. Die Slawen = Slŏvéni wollten die Leute des Worts, die Beredten sein (vgl. sláven, slâvan berühmt, sláva, slóvo Wort), im Unterschied zu den Stummen (němčcé, némec), den der Sprache nicht mächtigen Fremden, mit denen man nicht reden konnte.

Auf Polnisch ist der Deutsche der Niemiec, der Stumme.

Wikipedia Nemez

Diese Anekdote, so hübsch sie klingt, muss angezweifelt werden, denn die slawische Schriftsprache entstand durch und für die Missionierung (der Ostkirche) und verdrängte das Ostgermanische. Das erste in kyrillischer Schrift geschriebene Vaterunser stammt aus dem 10. Jahrhundert.

Zur Entwicklung der polnischen Sprache holte man um 1360 Glagolitenmönche nach Krakau ins Land. Die polnische Sprache begann sich erst danach aus der Kirchensprache nach Einführung der Nasallaute ab 1440 langsam im öffentlichen Bereich wie auch als Umgangssprache durchzusetzen und konnte ab 1521 auch gedruckt werden. Ein Wörterbuch der polnischen Sprache erstellte schließlich Samuel Gottlieb Linde (1771-1847), der die polnische Sprache erst als Erwachsener erlernt hatte und in Thorn geboren war.

Heinrich Wendig

Die Osteuropäer wie auch die Ostgermanen …

… waren Ackerbauern, Viehzüchter, Fischer und Wildbienenzüchter. Sie bauten ihre Häuser als ebenerdige Blockhütten aus Holz.

Spinnen, Weben, Töpferei, Schmiedearbeiten sowie Geweih- und Knochenarbeiten gehörten zum Handwerk. Die Siedlungen waren als regellose Haufendörfer angelegt, waren gewöhnlich unbefestigt und lagen an den Rändern von Niederungen, stets in Wassernähe.

Mehrere Siedlungen bildeten eine Siedlungskammer und mehrere solcher einen Stamm. Die Stammesgebiete waren oft durch Grenzwälder voneinander getrennt.

Barnim Slawen (nur noch im Webarchiv verfügbar)